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Familie ohne Regeln?

Wenn jemand nur von uns hört ohne uns zu kennen, dann schrillen da Alarmglocken. Vorurteile.

Freche, wilde, unerzogene Kinder, die den Eltern auf der Nase rumtanzen und machen was sie wollen. Schrecklich. Wie sollen diese Kinder jemals durchs Leben kommen oder in der Arbeitswelt bestehen??

 

In diesem Artikel möchte ich aufklären.

Erklären, um was es wirklich geht, berichten, wie wir leben und warum das absolut super funktioniert.

Familie ohne Regeln

Wir, Familie Rainer - das sind Papa Ewald und Mama Friederike, sowie Ronja und Mattis, sind aus den Medien bekannt als FreeFamily, die Familie ohne Regeln.

 

Ja, wir versuchen tatsächlich so frei wie möglich zu leben.

Das bedeutet vor allem, dass wir uns von vielen Konventionen, Glaubenssätzen, Vorgaben und Klischees freigesprochen haben.

Und das bedeutet auch, dass es bei uns keine einzige fixe Regel gibt.

Wieso auch?

Mir fällt keine einzige Regel ein, die so wichtig wäre für eine Familie, dass sie nicht auch mal gebrochen werden dürfte.

 

Es gibt bei uns also weder fixe Vorgaben, noch Regeln

Alternativen zu Regeln

Doch wie kann Zusammenleben funktionieren, ohne dass es Regeln gibt?

Eine Variante ist, dass alles in den Zuständigkeitsbereich einer einzelnen Person fällt, diese sich dann aufopfert und aufarbeitet. Das passiert in vielen Familien - und Regeln sollen das vermeiden.

 

Es muss auch anders gehen, dachten wir uns.

Es gibt kein Müssen, kein Sollen.

 

Auf unsere Alternativen möchte ich im Folgenden Eingehen:

 

Kommunikation und Verantwortung

Kommunikation, die klar und positiv, respektvoll und wertschätzend ist und vor allem gewaltfrei - das ist für mich die Grundlage für funktionierendes Zusammenleben.

So einfach das klingt so schwierig ist es zeitlich in der Umsetzung. Denn Zwang, Drohung, Erpressung, Beschimpfung - das sind nur wenige von vielen Mitteln, mit denen wir Sprache als Machtmittel missbrauchen. Und das verletzt. 

Und das, was uns wirklich weiterbringt ist, in Beziehung zueinander gehen. Auf Augenhöhe gehen.

 

Die zweite Grundlage für gelingendes Zusammenleben ist das Bewusst-Sein über Verantwortung. Kinder können keine Verantwortung tragen, weil sie sich nicht über Konsequenzen bewusst sind (bzw es im Laufe der Jahre eben erst lernen). Die Verantwortung für unser Tun und Reden liegt jederzeit zu 100% bei uns. Ebenso die Verantwortung über das Wohlergehen unserer Kinder. Das ist unglaublich viel Verantwortung, von der es regelmäßig Pausen braucht!

Bitten

Eigentlich gehört es mit zur Kommunikation - und gleichzeitig möchte ich diesem Feld so viel Bedeutung, wie nur möglich zukommen lassen.

Es ist und bleibt ein gravierender Unterschied, ob ich jemandem etwas befehle - oder ob ich um etwas bitte. 

Um etwas Bitten legt die Freiheit zugrunde, die Bitte ausschlagen zu können. 

 

Auch ich zweifle oft, ob es ok ist, wenn ich klare "Anweisungen" an meine Kinder herantrage. Bis mir immer wieder bewusst wird: Ich bitte sie. Manchmal sehr klar ("Ich möchte, dass du dir jetzt etwas anziehst, damit du draußen nicht frierst.") und dennoch mit der Freiheit, diese Bitte einfach auszuschlagen ("Nein, Mama. Ich möchte aber keine Schuhe."). 

Und gleichzeitig sich bewusst zu machen, dass in manchen Situationen eben keine Bitte da ist - sondern ein klarer Befehl ("Stopp, bleib sofort stehen - da kommt ein Auto!"; "Ich möchte das nicht, das ist eine Grenze für mich!").

Akzeptanz

Ein Satz begleitet mich seit längerem. Er tut mir gut, denn er holt mich zurück auf den Boden: In einem Podcast von Laura Malina Sailer (Verlinkung aus Herzensempfehlung) sagt sie (Zitat) "Die Meinung, die andere über dich haben, kannst du nicht beeinflussen."

Es klingt hart - und ist gleichzeitig so wahr. 

Ich kann mich mit den anderen darüber austauschen, warum ihre Sichtweise ist, wie sie ist. Ich kann mit anderen über Meinungen diskutieren - und um Akzeptanz bitten. Und ich kann die Meinung und Sichtweise anderer annehmen. Vielleicht kann ich Impulse und Mut geben, andere Blickwinkel eröffnen. 

Nur die Meinung, die jemand über mich hat, aktiv ändern - das kann ich nicht. Und das ist auch gut so. Denn meine Meinung, die ich, Friederike, mir bilde, nachdem ich ein Thema aus möglichst vielen Blickwinkeln beleuchtet habe, kann auch niemand einfach so ändern. Vielleicht kann ich sie ändern, wenn ich andere oder neue Erkenntnisse dazu habe - aber die anderen, die können meine Meinung nicht ändern. Ich wünsche mir, dass viele mich akzeptieren, mit meiner Meinung und meinen Werten - aber auch das müssen sie nicht.

Aber ich, ich versuche möglichst viele Meinungen zu akzeptieren - denn das macht meinen Rucksack deutlich leichter ;-) 

Kompromisse

Ein Familienleben ohne Regeln - und ohne Aufopfern - erfordert vor allem viel der folgenden zwei Punkte.

Der erste ist Kompromisse. Ich bin ja der Ansicht, Zusammenleben im Allgemeinen erfordert viel Kompromissbereitschaft. Und das können Kompromisse der unterschiedlichsten Arten sein: Bedürfnisse später zu erfüllen, Kompromisse an anderen Orten zu erfüllen, von seinem Wunsch abzuweichen, rot statt grün als toll anzunehmen und vieles mehr.

Übrigens heisst ein Kompromiss überhaupt nicht, dass das eigene Bedürfnis nicht gesehen wurde oder nicht wichtig wäre - doch ein Bedürfnis zu erkennen bedeutet nicht gleichzeitig, es auch zu erfüllen (oder erfüllen zu können). Kompromiss bedeutet also, sein Bedürfnis so zu erfüllen, dass auch andere Bedürfnisse gesehen werden.

Es hat niemand gesagt, Zusammenleben (vor allem mit Kindern) sei immer leicht...

kreative Lösungen

Der zweite Punkt ist die Bereitschaft zu kreativen Lösungen.

Und da ist der Kreativität absolut keine Grenze gesetzt!

Dir ist es wichtig, dass alle gemeinsam essen - während der 2jährige aber baden mag? Schon mal die Babywanne an den Esstisch gestellt?

Oder auf dem Boden im Wohnzimmer gepicknickt?

Oder den Tüllrock über die Matschhose angezogen?

Oder, oder, oder...

 

Und weißt du, ich weiß, was dir da oft im Wege steht...

Glaubenssätze

...das sind die gemeinen kleinen Teufelchen auf deiner Schulter, die dir so blöde Gedanken in dein Ohr flüstern.

Gedanken, wie:

"Das macht man doch nicht!"

"Was soll nur aus den Kindern werden, wenn ich das erlaube?"

"Was sollen nur die anderen denken?"

"Wenn ich das einmal erlaube, muss ich das immer machen!"

Und unzählige mehr...

 

Ich habe einige Hilfestellungen und Tipps dazu für dich:

  • Hast du Angst und ist diese Angst tatsächlich berechtigt? (zB macht Fernsehen in Wirklichkeit weder kaputte noch viereckige Augen oder sowas...)
  • Wenn man etwas aussergewöhnliches erlaubt, ist das den Kindern meist bewusst - und sie können als Ausnahme genießen (auch wenn das vielleicht 2-4 Wiederholungen braucht).
  • So ein Picknick auf dem Boden kann echt gemütlich und lustig sein, vielleicht darfst du manche Glaubenssätze mutig über Bord werfen
  • Glaubenssätze und Gedanken solltest du regelmäßig zum Kaffee einladen. Nehme sie an, so wie sie sind. Sie sind da und werden aus deinem Kopf meist nur schwerlich verschwinden. Also gib ihnen die Hand, freunde dich mit Ihnen an und nehme sie als unwichtig an.

 

 

 

Ich bin Friederike, Mama der FreeFamily und Autorin des gleichnamigen Buches.

Wir, Familie Rainer, sind aus den Medien bekannt als FreeFamily - Familie frei von Konventionen.

Als Coach stehe ich Familien zur Seite für beziehungsorientiertes Zusammensein sowie rund um Themen für natürliches, ganzheitliches Familienleben.

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